Stundensätze für Handwerker richtig kalkulieren

10. Juni 2024 | 6 Min. Lesezeit

Stundensatz Kalkulation für Handwerker

Viele Handwerker und Gewerbetreibende setzen ihren Stundensatz nach Bauchgefühl oder orientieren sich an der Konkurrenz. Doch wer seine tatsächlichen Kosten nicht kennt, arbeitet schnell unter Wert – oder sogar mit Verlust. Eine saubere Kalkulation ist die Grundlage für faire Preise und ein profitables Unternehmen.

Schritt 1: Alle Kosten erfassen

Der häufigste Fehler bei der Stundensatzkalkulation: Es werden nicht alle Kosten berücksichtigt. Neben dem reinen Lohn fallen zahlreiche weitere Kosten an, die in den Stundensatz einfließen müssen.

Personalkosten

  • Bruttolohn: Ihr eigener Unternehmerlohn oder das Gehalt Ihrer Mitarbeiter
  • Sozialabgaben: Dienstgeberbeiträge zur Sozialversicherung (ca. 21 % des Bruttolohns)
  • Sonderzahlungen: 13. und 14. Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Nebenkosten: Kommunalsteuer (3 %), Dienstgeberbeitrag zum FLAF, Zuschläge

Betriebskosten

  • Werkzeug und Maschinen: Anschaffung, Wartung, Reparaturen, Abschreibung
  • Fahrzeug: Leasing oder Abschreibung, Versicherung, Treibstoff, Service
  • Material und Verbrauchsmittel: Kleinmaterial, das nicht einzeln verrechnet wird
  • Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Unfallversicherung, Rechtsschutz
  • Büro und Verwaltung: Miete, Strom, Telefon, Internet, Software, Buchhaltung
  • Weiterbildung: Kurse, Zertifizierungen, Fachliteratur

Schritt 2: Produktive Stunden berechnen

Nicht jede Arbeitsstunde ist eine verrechenbare Stunde. Von den theoretisch verfügbaren Stunden müssen Sie abziehen:

  • Urlaub (25 Arbeitstage = 200 Stunden)
  • Feiertage (ca. 10–13 Tage = 80–104 Stunden)
  • Krankenstand (durchschnittlich 5–10 Tage)
  • Verwaltungsarbeit (Angebote schreiben, Buchhaltung, Planung)
  • Fahrzeiten zwischen Baustellen

Realistisch bleiben von ca. 2.080 Jahresarbeitsstunden oft nur 1.400–1.600 produktive, verrechenbare Stunden übrig.

Schritt 3: Gemeinkosten umlegen und Gewinn einplanen

Teilen Sie Ihre gesamten Jahreskosten durch die produktiven Stunden. Darauf kommt noch der Gewinnaufschlag – schließlich müssen Sie nicht nur Kosten decken, sondern auch Rücklagen bilden und investieren. Ein Gewinnaufschlag von 10–20 % ist üblich und fair.

Beispielkalkulation

Ein selbständiger Installateur rechnet wie folgt:

  • Unternehmerlohn (angemessen): 36.000 € / Jahr
  • SVA-Beiträge (ca. 27 %): 9.720 €
  • Fahrzeugkosten: 6.000 €
  • Werkzeug und Material: 3.000 €
  • Versicherungen: 2.400 €
  • Büro, Telefon, Software: 3.600 €
  • Weiterbildung: 1.200 €
  • Gesamtkosten: 61.920 € / Jahr

Bei 1.500 produktiven Stunden ergibt das: 61.920 € ÷ 1.500 = 41,28 € Selbstkosten pro Stunde

Mit 15 % Gewinnaufschlag: 41,28 € × 1,15 = 47,47 € netto pro Stunde

Plus 20 % USt: 56,96 € brutto pro Stunde

Stundensatz vs. Pauschalpreise

Beide Modelle haben Vor- und Nachteile:

  • Stundensatz: Fair bei unvorhersehbarem Aufwand, transparent für den Kunden, aber Risiko von Diskussionen über die Stundenanzahl
  • Pauschalpreis: Planungssicherheit für beide Seiten, aber Risiko, wenn der Aufwand größer wird als geschätzt

Tipp: Für Standardarbeiten mit bekanntem Aufwand eignen sich Pauschalpreise besser. Für Reparaturen oder unklare Aufgaben ist die Abrechnung nach Stunden sinnvoller.

Tipps für Preisverhandlungen

  • Kennen Sie Ihre Zahlen: Wer seine Kalkulation kennt, kann souverän argumentieren
  • Vergleichen Sie nicht nur den Preis: Qualität, Zuverlässigkeit und Garantie sind ebenfalls Verkaufsargumente
  • Bieten Sie Optionen: Verschiedene Leistungspakete geben dem Kunden Wahlmöglichkeiten
  • Vermeiden Sie Rabatte auf den Stundensatz: Bieten Sie lieber einen Nachlass auf die Gesamtsumme oder eine Zusatzleistung an

Jetzt volvi kostenlos testen

Erstellen Sie professionelle Angebote und Rechnungen mit Ihrem kalkulierten Stundensatz – schnell und unkompliziert.

KOSTENLOS TESTEN